Fluor und anorganische Fluorverbindungen — Vorsorge (E FLU)
„Pflichtvorsorge bei Tätigkeiten mit Flussäure und Fluoriden, insbesondere wenn AGW überschritten werden können.“
— DGUV Empfehlung E FLU, Fassung Januar 2022, S. 268
1. Worum geht es bei der Fluor-Vorsorge?
Die DGUV-Empfehlung E FLU regelt die arbeitsmedizinische Vorsorge bei Tätigkeiten mit Flussäure, Fluoriden und elementarem Fluor. Pflichtvorsorge greift bei Hartverchromung, Glasätzung und Halbleiterfertigung; Angebotsvorsorge bei Spurenexposition. Spezialverordnungen: GefStoffV (TRGS 900, 905), ArbMedVV.
Hauptgefahren: Flussäure-Verätzung (tiefenwirksam, schmerzhaft, hypokalzämische Krise möglich); chronische Aufnahme führt zu Skelettfluorose (Knochenverdichtung, Bewegungseinschränkung) und Zahnfluorose. Berufskrankheit: BK 1308 (Erkrankungen durch Fluor).
2. Branchen-Schlaglicht
Top-3-Branchen aus IAAI-Sicht
- Galvanik / Hartverchromung — Flussäure-haltige Beißbäder, hohe Pflichtvorsorge-Quote.
- Glas-/Quarzindustrie — HF-Ätzung, Halbleiter-Wafer-Reinigung.
- Aluminiumelektrolyse — Kryolith-Schmelzen mit Fluorid-Stäuben.
3. Untersuchungsumfang
Anamnese: Atemwege, Zähne, Knochen, Augen-/Hautkontakte, Calcium-Stoffwechsel.
| Untersuchung | Zweck |
|---|---|
| Körperstatus, Inspektion Haut/Zähne | Zahnfluorose, Hautverätzungen |
| Spirometrie | Atemwegs-Funktion |
| Röntgen Becken/Wirbelsäule (Erst-/auf Indikation) | Skelettfluorose-Diagnostik |
| Biomonitoring Fluorid im Urin (BAR/BLW) | Innere Belastung |
| Calcium, Phosphat, AP | Knochen-Stoffwechsel |
Fristen (AMR 2.1)
Erstvorsorge vor Aufnahme; Folgevorsorge alle 12–36 Monate je nach Exposition; Anlass-Vorsorge nach Unfall.
4. Beurteilung & IAAI in der Praxis
- Schwere Atemwegserkrankungen (COPD, Asthma) — differenzierte Bewertung
- Niereninsuffizienz — Fluorid-Ausscheidung beeinträchtigt
- Knochen-/Stoffwechsel-Erkrankungen — M. Paget, Hyperparathyreoidismus
IAAI-Praxis: Spirometrie und Biomonitoring vor Ort, Röntgen-Indikation begründet. Notfall-Schulung HF-Verätzung bei Erstvorsorge. Termine in unserer digitalen Vorsorgekartei dokumentiert.
5. Häufige Fragen (FAQ)
Wer braucht die Fluor-Vorsorge?
Pflichtvorsorge bei Hartverchromung mit Flussäure, Glas-/Halbleiter-Ätzung, Aluminiumelektrolyse. Angebotsvorsorge bei Spurenexposition.
Wie oft?
Erstvorsorge vor Aufnahme; Folge alle 12–36 Monate je nach Exposition.
Was bei HF-Spritzer?
Sofort mit reichlich Wasser spülen, Calciumgluconat-Gel, Notruf. Calcium-Spiegel monitoren.
Was misst Biomonitoring?
Fluorid im Urin (BAR-Wert) zur quantitativen Belastungsbeurteilung. BLW als Beurteilungsmaßstab.
BK 1308 anerkannt?
Nach BK-Verfahren mit gesicherter Fluor-Exposition und Skelettfluorose, Zahnfluorose oder Atemwegserkrankung.
Wer trägt die Kosten?
Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG.


6. Quellen
- DGUV Empfehlung E FLU, Fassung Januar 2022
- ArbMedVV; GefStoffV (TRGS 900, 905)
- BKV Anlage 1, BK 1308
- AMR 2.1, AMR 6.3
Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.