Kohlenmonoxid (CO) — Vorsorge (E KMO)
„Kohlenmonoxid bindet 200–300-fach stärker an Hämoglobin als Sauerstoff — schon 1 % CO-Hb belastet, ab 50 % akut lebensbedrohlich.“
— DGUV Empfehlung E KMO, Fassung Januar 2022, S. 459
1. Worum geht es?
Kohlenmonoxid (CO) entsteht bei unvollständiger Verbrennung kohlenstoffhaltiger Stoffe. Geruch- und farblos, ohne Reizwirkung. Bindet 200–300 mal stärker an Hämoglobin als Sauerstoff — dadurch innere Erstickung. Pflichtvorsorge bei AGW-Überschreitung, Angebots-/Wunschvorsorge bei niedrigerer Exposition. BK 1201 (Erkrankungen durch Kohlenmonoxid).
2. Branchen
Top-3-Branchen
- Stahlwerke / Eisengießerei — Hochofen, Schmelzofen.
- Werkstatt / Tiefgarage / KFZ-Reparatur — Abgase verbrennungsmotorbetriebener Fahrzeuge.
- Heizung / Sanitär / Schornsteinfeger — Brennstoffzufuhr, Abgasanlagen.
3. Untersuchungsumfang
Anamnese: Kopfschmerz, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen am Arbeitsende; bei Rauchern erhöhter Basis-CO-Hb.
| Untersuchung | Zweck |
|---|---|
| CO-Hb im Blut (Schichtende, Biomonitoring) | Innere Belastung, BAR-Wert |
| EKG; ggf. Belastungs-EKG | Kardiale CO-Folgen |
| Spirometrie | Lungenfunktion |
| Blutbild, Glucose, Kreatinin | Stoffwechsel, Sekundärfolgen |
| Neurologische Anamnese | Verzögerte ZNS-Spätfolgen |
Fristen
Erstvorsorge vor Aufnahme; Folge alle 12–36 Monate; Anlass-Vorsorge nach Vergiftung.
4. IAAI in der Praxis
- CO-Hb-Bestimmung in der eigenen Praxis (Pulsoxymeter mit CO-Hb-Modus oder Blutgase).
- EKG vor Ort, ggf. Belastungs-EKG.
- Schulung Notfall-Erkennung und Erste Hilfe bei CO-Vergiftung.
- Beratung zu CO-Warngeräten am Arbeitsplatz.
5. Häufige Fragen (FAQ)
Wer braucht CO-Vorsorge?
Stahlwerke, KFZ-Werkstatten/Tiefgaragen, Schornsteinfeger, Heizung-/Sanitärbetriebe mit nachweislicher CO-Exposition.
Wie hoch ist normaler CO-Hb?
Nicht-Raucher: < 1.5 %; Raucher 5–10 %. Arbeitsmedizinisch problematisch: > 5 % nicht-rauchend, > 10 % rauchend.
Was tun bei akuter CO-Vergiftung?
Frischluft, 100 %-Sauerstoff, ggf. hyperbare Sauerstoff therapie (Druckkammer); Notarzt rufen.
Spätfolgen?
Verzögerte neurologische Schäden, kardiale Folgen, kognitive Einschränkungen. Nachuntersuchung nach 4–6 Wochen empfohlen.
BK 1201?
Erkrankungen durch Kohlenmonoxid — nach gesicherter beruflicher Exposition und CO-bedingter Erkrankung.
Wer trägt die Kosten?
Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG.
6. Quellen
- DGUV Empfehlung E KMO, Fassung Januar 2022
- ArbMedVV; GefStoffV (TRGS 900)
- BKV Anlage 1, BK 1201
- AMR 2.1, AMR 6.3
Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.

