Gefahrstoffe · E MTH · Fassung Januar 2022

Methanol — Vorsorge (E MTH)

Auf einen Blick: Pflicht- und Angebotsvorsorge bei Methanol-Exposition. Hauptgefahr: Sehnerv-Schädigung bis zur Erblindung, metabolische Azidose. Antidot: Ethanol oder Fomepizol. BK 1306 (Methanol) und BK 1317 (Polyneuropathie/Enzephalopathie durch Lösemittel).
Dr. Johannes Angerer · Betriebsarzt & COO IAAI · Aktualisiert 30. April 2026 · 11 Min Lesezeit

„Methanol-Aufnahme führt über Formaldehyd und Ameisensäure zur Sehnerv-Schädigung. Bei akuter Vergiftung sofortige Antidot-Therapie!“

— DGUV Empfehlung E MTH, Fassung Januar 2022, S. 547

1. Worum geht es?

Methanol ist ein hochtoxischer Alkohol, der über Lunge, Haut und gastrointestinal aufgenommen wird. Wird in Leber zu Formaldehyd und Ameisensäure metabolisiert — die toxischen Metaboliten führen zur Sehnerv-Schädigung (bis zur Erblindung) und schweren metabolischen Azidose. Pflichtvorsorge bei AGW-Überschreitung; Angebotsvorsorge bei Spurenexposition. BK 1306 (Methanol-Erkrankungen), BK 1317 (Lösemittel-Polyneuropathie/-Enzephalopathie).

2. Branchen

Top-3-Branchen

  1. Chemielabor / Pharma-F&E — HPLC, Synthese, Reinigung.
  2. Klebstoff- / Lackindustrie — Methanol als Lösemittel.
  3. Biokraftstoff- / Biodiesel-Produktion — Umesterung mit Methanol.

3. Untersuchungsumfang

Anamnese: Sehstörungen, Kopfschmerz, Übelkeit, neurologische Symptome.

UntersuchungZweck
Optometrie + Farbsehtest (Ishihara, Pseudoisochromatische Tafeln)Sehnerv-Schäden, Optikusneuropathie
Bei Verdacht: Augenarzt-Konsil mit OCT, GesichtsfeldbestimmungPräzise Sehnerv-Diagnostik
Neurologischer StatusLösemittel-Polyneuropathie
Methanol im Blut/Urin (Biomonitoring; BGW 15 mg/l Urin)Innere Belastung
Blutbild, GPT, GGT, Glucose, KreatininStoffwechsel, Leber, Niere
Notfall Methanol-Vergiftung: Sofort Klinik. Antidot: Ethanol (oral oder i.v.) oder Fomepizol; Hämodialyse zur Elimination; Folinsäure als Cofaktor. Sehstörungen bedeuten oft schon irreversiblen Schaden.

Fristen

Erstvorsorge vor Aufnahme; Folge alle 12–36 Monate; Anlass-Vorsorge bei Sehstörungen.

4. IAAI in der Praxis

  • Optometrie und Farbsehtest in der eigenen Praxis.
  • Methanol-Biomonitoring (Blut/Urin) über Labor.
  • Schulung: Antidot-Management Methanol-Vergiftung. Bei Verdacht sofort Klinik.
  • Augenarzt-Anbindung für OCT bei Verdachtsdiagnose.

5. Häufige Fragen (FAQ)

Wer braucht Methanol-Vorsorge?

Chemielabor, Pharma-F&E, Klebstoff-/Lackindustrie, Biokraftstoff-Produktion mit relevanter Methanol-Exposition.

Was bewirkt Methanol-Vergiftung?

Akut: Kopfschmerz, Übelkeit, Sehstörungen bis Erblindung, Bewusstlosigkeit, Tod. Latenzzeit 12–24 Stunden möglich.

Wie wird Methanol-Vergiftung behandelt?

Antidot: Ethanol oder Fomepizol (blockiert Alkoholdehydrogenase). Hämodialyse zur Elimination. Folinsäure als Cofaktor.

Wie hoch ist BGW?

Methanol im Urin: 15 mg/l (BGW). Bei Werten darüber Reduktion der Exposition.

Sind Sehstörungen reversibel?

Bei rechtzeitiger Antidot-Therapie ggf. teilweise reversibel. Bei Spätdiagnose oft irreversibel.

BK 1306 / 1317?

BK 1306: Methanol-Erkrankungen. BK 1317: Lösemittel-induzierte Polyneuropathie/Enzephalopathie. Beide nach gesicherter Exposition.

6. Quellen

  • DGUV Empfehlung E MTH, Fassung Januar 2022
  • ArbMedVV; GefStoffV (TRGS 900, 903)
  • BKV Anlage 1, BK 1306 / BK 1317
  • AMR 2.1, AMR 6.3

Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.

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