Methanol — Vorsorge (E MTH)
„Methanol-Aufnahme führt über Formaldehyd und Ameisensäure zur Sehnerv-Schädigung. Bei akuter Vergiftung sofortige Antidot-Therapie!“
— DGUV Empfehlung E MTH, Fassung Januar 2022, S. 547
1. Worum geht es?
Methanol ist ein hochtoxischer Alkohol, der über Lunge, Haut und gastrointestinal aufgenommen wird. Wird in Leber zu Formaldehyd und Ameisensäure metabolisiert — die toxischen Metaboliten führen zur Sehnerv-Schädigung (bis zur Erblindung) und schweren metabolischen Azidose. Pflichtvorsorge bei AGW-Überschreitung; Angebotsvorsorge bei Spurenexposition. BK 1306 (Methanol-Erkrankungen), BK 1317 (Lösemittel-Polyneuropathie/-Enzephalopathie).
2. Branchen
Top-3-Branchen
- Chemielabor / Pharma-F&E — HPLC, Synthese, Reinigung.
- Klebstoff- / Lackindustrie — Methanol als Lösemittel.
- Biokraftstoff- / Biodiesel-Produktion — Umesterung mit Methanol.
3. Untersuchungsumfang
Anamnese: Sehstörungen, Kopfschmerz, Übelkeit, neurologische Symptome.
| Untersuchung | Zweck |
|---|---|
| Optometrie + Farbsehtest (Ishihara, Pseudoisochromatische Tafeln) | Sehnerv-Schäden, Optikusneuropathie |
| Bei Verdacht: Augenarzt-Konsil mit OCT, Gesichtsfeldbestimmung | Präzise Sehnerv-Diagnostik |
| Neurologischer Status | Lösemittel-Polyneuropathie |
| Methanol im Blut/Urin (Biomonitoring; BGW 15 mg/l Urin) | Innere Belastung |
| Blutbild, GPT, GGT, Glucose, Kreatinin | Stoffwechsel, Leber, Niere |
Fristen
Erstvorsorge vor Aufnahme; Folge alle 12–36 Monate; Anlass-Vorsorge bei Sehstörungen.
4. IAAI in der Praxis
- Optometrie und Farbsehtest in der eigenen Praxis.
- Methanol-Biomonitoring (Blut/Urin) über Labor.
- Schulung: Antidot-Management Methanol-Vergiftung. Bei Verdacht sofort Klinik.
- Augenarzt-Anbindung für OCT bei Verdachtsdiagnose.
5. Häufige Fragen (FAQ)
Wer braucht Methanol-Vorsorge?
Chemielabor, Pharma-F&E, Klebstoff-/Lackindustrie, Biokraftstoff-Produktion mit relevanter Methanol-Exposition.
Was bewirkt Methanol-Vergiftung?
Akut: Kopfschmerz, Übelkeit, Sehstörungen bis Erblindung, Bewusstlosigkeit, Tod. Latenzzeit 12–24 Stunden möglich.
Wie wird Methanol-Vergiftung behandelt?
Antidot: Ethanol oder Fomepizol (blockiert Alkoholdehydrogenase). Hämodialyse zur Elimination. Folinsäure als Cofaktor.
Wie hoch ist BGW?
Methanol im Urin: 15 mg/l (BGW). Bei Werten darüber Reduktion der Exposition.
Sind Sehstörungen reversibel?
Bei rechtzeitiger Antidot-Therapie ggf. teilweise reversibel. Bei Spätdiagnose oft irreversibel.
BK 1306 / 1317?
BK 1306: Methanol-Erkrankungen. BK 1317: Lösemittel-induzierte Polyneuropathie/Enzephalopathie. Beide nach gesicherter Exposition.
6. Quellen
- DGUV Empfehlung E MTH, Fassung Januar 2022
- ArbMedVV; GefStoffV (TRGS 900, 903)
- BKV Anlage 1, BK 1306 / BK 1317
- AMR 2.1, AMR 6.3
Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.

