Quecksilber und anorganische Quecksilberverbindungen — Vorsorge (E AHG)
„Anorganisches Quecksilber führt zu Tubulopathie und ZNS-Schäden (Tremor, Erethismus mercurialis).“
— DGUV Empfehlung E AHG, Fassung Januar 2022
1. Worum geht es?
Anorganisches Quecksilber (Hg-Dampf, Hg-Salze) wird inhalativ und perkutan aufgenommen. Wirkt nephrotoxisch (Tubulopathie) und neurotoxisch (Tremor, Erethismus mercurialis = Reizbarkeit, Wesensänderung). Pflichtvorsorge bei AGW-Überschreitung; Angebotsvorsorge bei Spurenexposition. BK 1102 (Erkrankungen durch Quecksilber).
2. Branchen
- Zahnmedizin — Amalgam-Verarbeitung (auslaufend, Verbot 2025 nach EU).
- Chlor-Alkali-Elektrolyse — Hg-Zellen (auslaufend nach EU-Verbot).
- Sondermüll-Recycling — Leuchtstoffröhren, Thermometer.
3. Untersuchungsumfang
| Untersuchung | Zweck |
|---|---|
| Hg im Urin (BAT 25 µg/g Krea) | Innere Belastung, Nieren-Risiko |
| Urinstatus + α1-Mikroglobulin / NAG | Tubuläre Nierenfunktion |
| Neurologischer Status (Feinmotorik, Tremor) | ZNS-Schäden |
| Inspektion Mund/Gingiva | Stomatitis mercurialis |
Fristen
Erstvorsorge vor Aufnahme; Folge alle 12–36 Monate; Anlass-Vorsorge bei Symptomen.
4. IAAI in der Praxis
- Hg-Urin-Biomonitoring über Labor.
- Neurologischer Status, Feinmotorik-Tests vor Ort.
- Schulung Hg-Hygiene (Aerosolvermeidung, Quecksilber-Spillkit).
- BK-1102-Begleitung bei Verdacht.
5. Häufige Fragen (FAQ)
Wer braucht Hg-Vorsorge?
Zahnmedizin (Amalgam, auslaufend), Chlor-Alkali (auslaufend), Sondermüll-Recycling, ggf. Forschungslabore.
Was ist Erethismus mercurialis?
Charakteristisches ZNS-Syndrom durch Hg: Reizbarkeit, Übererregbarkeit, Schlafstörungen, Wesensänderung.
Wie hoch ist BAT?
25 µg Hg/g Kreatinin im Urin (BAT-Wert). Bei Überschreitung Reduktion der Exposition.
BK 1102?
Erkrankungen durch Quecksilber oder seine Verbindungen — anerkannte Berufskrankheit.
Wer trägt die Kosten?
Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG.
6. Quellen
- DGUV Empfehlung E AHG, Fassung Januar 2022
- ArbMedVV; GefStoffV (TRGS 900, 903)
- BKV Anlage 1, BK 1102
- EU-Verordnung 2017/852 (Quecksilber)
Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.

