Gefahrstoffe · E CS2 · Fassung Januar 2022

Schwefelkohlenstoff (CS2) — Vorsorge (E CS2)

Auf einen Blick: Pflicht- und Angebotsvorsorge bei CS2-Exposition. Hauptrisiken: Polyneuropathie, beschleunigte Atherosklerose, kardiovaskuläre Erkrankungen. TTCA-Biomonitoring, BK 1305.
Dr. Johannes Angerer · Betriebsarzt & COO IAAI · Aktualisiert 30. April 2026 · 11 Min Lesezeit

„CS2 wirkt neurotoxisch und beschleunigt die Atherosklerose — das kardiovaskuläre Risiko ist auch nach Ende der Exposition erhöht.“

— DGUV Empfehlung E CS2, Fassung Januar 2022, S. 506

1. Worum geht es?

Schwefelkohlenstoff (CS2) ist ein leicht flüchtiges, hautresorptives Lösemittel. Wirkt neurotoxisch (Polyneuropathie, Enzephalopathie) und kardiovaskulär toxisch (beschleunigte Atherosklerose). Pflichtvorsorge bei AGW-Überschreitung; Angebotsvorsorge bei niedrigerer Exposition. BK 1305 (Erkrankungen durch Schwefelkohlenstoff).

2. Branchen

Top-3-Branchen

  1. Viskosefaser-Industrie — CS2 als Hauptlösemittel im Spinnprozess.
  2. Gummi-/Kautschuk-Industrie — CS2 als Vulkanisations-Beschleuniger.
  3. Pestizid-Produktion / Schwefelchemie — Synthese, Konfektionierung.

3. Untersuchungsumfang

Anamnese: Paresästhesien, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, kardiovaskuläre Symptome, Sehstörungen.

UntersuchungZweck
Neurologischer Status (Reflexe, Vibrationsempfinden)Polyneuropathie
EKG; Belastungs-EKG bei IndikationKardiovaskuläres Risiko
Blutdruck, Lipidstatus, GlucoseAtherosklerose-Risiko
TTCA im Urin (2-Thiothiazolidin-4-carbonsäure, Biomonitoring)Innere Belastung CS2-Metabolit
Optometrie, ggf. FarbsehtestSehnerv-Schäden

Fristen

Erstvorsorge vor Aufnahme; Folge alle 12–36 Monate; Anlass-Vorsorge bei neurologischen oder kardialen Symptomen.

4. IAAI in der Praxis

  • Neurologische Basis-Untersuchung in der Praxis, fachneurologische Überweisung bei Befund.
  • EKG vor Ort; kardiovaskuläre Risikoabschätzung (SCORE-Tabelle).
  • TTCA-Biomonitoring über Labor.
  • Beratung zu Hautkontakt-Vermeidung (CS2 hautresorptiv).

5. Häufige Fragen (FAQ)

Wer braucht CS2-Vorsorge?

Viskose-Faser-, Gummi-, Pestizid- und Schwefelchemie-Industrie. Bei AGW-Überschreitung Pflichtvorsorge.

Was ist TTCA?

2-Thiothiazolidin-4-carbonsäure — CS2-Metabolit im Urin. Standard-Biomarker für CS2-Belastung.

Welche kardiovaskulären Risiken?

CS2 beschleunigt Atherosklerose. Risiko erhöht für Herzinfarkt und Schlaganfall — auch nach Ende der Exposition.

Wie oft Vorsorge?

Vor Aufnahme; Folge alle 12–36 Monate. Anlass-Vorsorge bei Symptomen.

BK 1305?

Erkrankungen durch Schwefelkohlenstoff — Polyneuropathie, Enzephalopathie, kardiovaskuläre Erkrankungen.

Wer trägt die Kosten?

Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG.

6. Quellen

  • DGUV Empfehlung E CS2, Fassung Januar 2022
  • ArbMedVV; GefStoffV (TRGS 900, 903)
  • BKV Anlage 1, BK 1305
  • AMR 2.1, AMR 6.3

Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.

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