Gefahrstoffe · E STY · Fassung Januar 2022

Styrol — Vorsorge (E STY)

Auf einen Blick: Pflicht- und Angebotsvorsorge bei Styrol-Exposition. AGW 86 mg/m³ (20 ppm); BGW Mandelsäure 600 mg/g Kreatinin. Hauptrisiken: Neurotoxizität (Q-18-Fragebogen), Reizung Atemwege/Augen. BK 1303, BK 1317.
Dr. Johannes Angerer · Betriebsarzt & COO IAAI · Aktualisiert 30. April 2026 · 11 Min Lesezeit

„Styrol wirkt neurotoxisch — chronische Exposition kann zu Konzentrations- und Gedächtnisstörungen führen.“

— DGUV Empfehlung E STY, Fassung Januar 2022

1. Worum geht es?

Styrol (Vinylbenzol) ist ein neurotoxisches Lösemittel der GFK-/UP-Harz-Industrie. AGW 86 mg/m³ (20 ppm); BGW Mandelsäure + Phenylglyoxylsäure 600 mg/g Kreatinin im Urin. Pflichtvorsorge bei AGW-Überschreitung; Angebotsvorsorge bei niedrigerer Exposition. BK 1303 (Erkrankungen durch Styrol), BK 1317 (Lösemittel-Polyneuropathie/-Enzephalopathie).

2. Branchen

  1. GFK-/Boots-Werften — UP-Harz-Lamination, hoher Aerosol-Anteil.
  2. Polystyrol-Produktion — Schaumstoff (EPS), thermoplastische Verarbeitung.
  3. Sanitär-/Behälterbau — GFK-Tanks, Beschichtungen.

3. Untersuchungsumfang

UntersuchungZweck
Q-18-Fragebogen (Neurotoxizitäts-Screening)Konzentrations-/Gedächtnisstörungen
Neurologischer StatusPolyneuropathie, Tremor, Reflexe
SpirometrieAtemwegs-Reizung
Mandelsäure + Phenylglyoxylsäure im UrinInnere Belastung (BGW)
GPT, GGTHepatotoxizität

Fristen

Erstvorsorge vor Aufnahme; Folge alle 12–36 Monate; Anlass-Vorsorge bei neurologischen Symptomen.

4. IAAI in der Praxis

  • Q-18-Fragebogen + neurologischer Status in der Praxis.
  • Mandelsäure-Biomonitoring über Labor.
  • Beratung zu Atemschutz (A2-Filter o. gebläseunterstützte Systeme) und Lüftung in GFK-Werften.

5. Häufige Fragen (FAQ)

Wer braucht Styrol-Vorsorge?

GFK-Werften, Polystyrol-Produktion, Behälter-/Sanitärbau mit relevantem Kontakt zu Styrol-haltigen Harzen.

Was ist der Q-18-Fragebogen?

Standardisierter Neurotoxizitäts-Screening-Fragebogen zur Erfassung kognitiver Beeinträchtigungen durch Lösemittel.

Wie hoch ist BGW?

Mandelsäure + Phenylglyoxylsäure: 600 mg/g Kreatinin im Urin (Schichtende). Überschreiten = Reduktion der Exposition.

BK 1303 / 1317?

BK 1303: Erkrankungen durch Styrol. BK 1317: Lösemittel-induzierte Polyneuropathie/Enzephalopathie.

Wie oft Vorsorge?

Vor Aufnahme; Folge alle 12–36 Monate; Anlass bei Symptomen.

Wer trägt die Kosten?

Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG.

6. Quellen

  • DGUV Empfehlung E STY, Fassung Januar 2022
  • ArbMedVV; GefStoffV (TRGS 900, 903)
  • BKV Anlage 1, BK 1303 / BK 1317
  • AMR 2.1, AMR 6.3

Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.

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Neurologische Untersuchung mit Pallästhesiometer und Q-18-Fragebogen.
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