Styrol — Vorsorge (E STY)
„Styrol wirkt neurotoxisch — chronische Exposition kann zu Konzentrations- und Gedächtnisstörungen führen.“
— DGUV Empfehlung E STY, Fassung Januar 2022
1. Worum geht es?
Styrol (Vinylbenzol) ist ein neurotoxisches Lösemittel der GFK-/UP-Harz-Industrie. AGW 86 mg/m³ (20 ppm); BGW Mandelsäure + Phenylglyoxylsäure 600 mg/g Kreatinin im Urin. Pflichtvorsorge bei AGW-Überschreitung; Angebotsvorsorge bei niedrigerer Exposition. BK 1303 (Erkrankungen durch Styrol), BK 1317 (Lösemittel-Polyneuropathie/-Enzephalopathie).
2. Branchen
- GFK-/Boots-Werften — UP-Harz-Lamination, hoher Aerosol-Anteil.
- Polystyrol-Produktion — Schaumstoff (EPS), thermoplastische Verarbeitung.
- Sanitär-/Behälterbau — GFK-Tanks, Beschichtungen.
3. Untersuchungsumfang
| Untersuchung | Zweck |
|---|---|
| Q-18-Fragebogen (Neurotoxizitäts-Screening) | Konzentrations-/Gedächtnisstörungen |
| Neurologischer Status | Polyneuropathie, Tremor, Reflexe |
| Spirometrie | Atemwegs-Reizung |
| Mandelsäure + Phenylglyoxylsäure im Urin | Innere Belastung (BGW) |
| GPT, GGT | Hepatotoxizität |
Fristen
Erstvorsorge vor Aufnahme; Folge alle 12–36 Monate; Anlass-Vorsorge bei neurologischen Symptomen.
4. IAAI in der Praxis
- Q-18-Fragebogen + neurologischer Status in der Praxis.
- Mandelsäure-Biomonitoring über Labor.
- Beratung zu Atemschutz (A2-Filter o. gebläseunterstützte Systeme) und Lüftung in GFK-Werften.
5. Häufige Fragen (FAQ)
Wer braucht Styrol-Vorsorge?
GFK-Werften, Polystyrol-Produktion, Behälter-/Sanitärbau mit relevantem Kontakt zu Styrol-haltigen Harzen.
Was ist der Q-18-Fragebogen?
Standardisierter Neurotoxizitäts-Screening-Fragebogen zur Erfassung kognitiver Beeinträchtigungen durch Lösemittel.
Wie hoch ist BGW?
Mandelsäure + Phenylglyoxylsäure: 600 mg/g Kreatinin im Urin (Schichtende). Überschreiten = Reduktion der Exposition.
BK 1303 / 1317?
BK 1303: Erkrankungen durch Styrol. BK 1317: Lösemittel-induzierte Polyneuropathie/Enzephalopathie.
Wie oft Vorsorge?
Vor Aufnahme; Folge alle 12–36 Monate; Anlass bei Symptomen.
Wer trägt die Kosten?
Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG.
6. Quellen
- DGUV Empfehlung E STY, Fassung Januar 2022
- ArbMedVV; GefStoffV (TRGS 900, 903)
- BKV Anlage 1, BK 1303 / BK 1317
- AMR 2.1, AMR 6.3
Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.

