Gefahrstoffe · E GHA · Fassung Januar 2022

Gefährdung der Haut — Vorsorge G 24 (E GHA)

Auf einen Blick: Pflicht- und Angebotsvorsorge bei Feuchtarbeit, hautresorptiven und sensibilisierenden Stoffen. 3-Stufen-Hautschutzplan, BK 5101 (Hautkrankheiten). Schwerpunkte: Friseure, Reinigungskräfte, Pflegekräfte, Bauarbeiter mit Zement.

Autor: Dr. med Fabian Wengler · Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst der IAAI Arbeitssicherheit GmbH Veröffentlicht: 12. Juni 2026 · Aktualisiert: 25.Juni 2026 · Lesezeit: 14 Minuten

„Pflichtvorsorge bei Feuchtarbeit von regelmäßig mehr als 4 Stunden pro Tag und bei Tätigkeiten mit hautresorptiven Stoffen.“

— DGUV Empfehlung E GHA, Fassung Januar 2022, S. 312
Fristen der arbeitsmedizinischen Vorsorge
Erstvorsorge
innerhalb von 3 Monaten vor Aufnahme
Erste Nachsorge
spätestens 12 Monate nach Aufnahme der Tätigkeit
jede weitere Vorsorge
spätestens 36 nach der vorangegangenen Vorsorge. Anlass-Vorsorge bei Auffälligkeiten (z.B. Ekzem).
Bei Gefährdung der Haut beträgt die erste Nachsorge 6 Monate. Maßgeblich ist die arbeitsmedizinische Festlegung des Betriebsarztes.

1. Worum geht es bei der Hautvorsorge?

Die DGUV-Empfehlung E GHA regelt die Vorsorge bei Hautgefährdung. 
Pflichtvorsorge bei regelmäßiger Feuchtarbeit > 4 Stunden täglich, Tätigkeiten mit Exposition gegenüber Isocyanaten (bei regelmäßigem Hautkontakt oder Lufkonzentration >0,05 mg/m3), Tätigkeiten mit Benutzung von Natrugummilatexhandschuhen mit > 30 µg Protein/g Hanschuhmaterial sowieTätigkeiten mit dermaler Gefährdung durch Bestandteile unaudgehärteter Epoxidharze, insbesondere beim Versprühen. 
Angebotsvorsorge beiregelmäßiger Feuchtarbeit 2–4 Stunden täglich, Tätigkeiten mit hautsensibilisierenden oder atemwegssensibilisierenden Stoffen ohne Pflichtvorsorge-Schwelle.

Hauptkrankheitsbilder: Irritatives Kontaktekzem, allergischesKontaktekzem, atopisches Ekzem

Feuchtarbeit bezeichnet Tätigkeiten, beidenen Beschäftigte regelmäßig mit den Händen im feuchten Milieu arbeiten, diese häufig reinigen oder desinfizieren, oder flüssigkeitsdichte Schutzhandschuhe tragen (weitere Abgrenzung  über die TRGS 401).

Hautkontakt liegt vor bei direktem Kontaktder Haut mit Flüssigkeiten, Pasten oder Feststoffen (einschließlich Spritzern, kontaminierter Kleidung oder Arbeitsflächen) sowie bei Einwirkungl uftgetragener Stoffe (Aerosole, Gase, Dämpfe) auf die Haut.

2. Branchen-Schlaglicht

Top-3-Branchen aus IAAI-Sicht

  1. Friseure / Kosmetik — Feuchtarbeit, Persulfate, Haarfärbemittel.
  2. Reinigungs-/Pflegegewerbe — Feuchtarbeit, Desinfektionsmittel, Handschuhe.
  3. Bau / Maler — Zement (Chrom-VI), Epoxidharze, Lösungsmittel, UV.

3. Untersuchungsumfang

Anamnese: Atopiker-Status, frühere Hautkrankheiten, Hobby-Exposition, Handschutz-Disziplin.

UntersuchungZweck
Inspektion Hände, Unterarme, sichtbare HautEkzem, Knoten, aktinische Keratosen
Anamnese Hautschutz / 3-Stufen-PlanSchutz, Reinigung, Pflege
Bei Verdacht: Epikutantest (Allergologe)Allergische Sensibilisierung
Bei UV-Exposition: dermatoskopische InspektionAktinische Keratosen, Hautkrebs-Präkanzerose
3-Stufen-Hautschutzplan nach TRGS 401: (1) Hautschutzcreme vor Arbeit, (2) hautschonende Reinigung, (3) Hautpflegecreme nach Arbeit. Pflichtaushang am Arbeitsplatz.

Arbeitgeber ist verpflichtet, einen tätigkeitsbezogenen Hautschutzplan zu erstellen und den Beschäftigten zugänglich zu machen.

Fristen (AMR 2.1)

Erstvorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit; erste Nachsorge nach 6 Monaten, weitere Nachsorgen alle 36 Monate je nach Exposition. Anlass-Vorsorge bei Hautveränderung.

4. Beurteilung & IAAI in der Praxis

Bei manifester Berufsdermatose (BK 5101) greift das Hautarztverfahren: Stufenweise Präventionsmaßnahmen, ggf. Tertiarprävention mit stationärem Heilverfahren der BG. Darüberhinaus eine Hautschutz-Schulung vor Rückkehr an den Arbeitsplatz.

IAAI-Praxis: Inspektion, Anamnese, ggf. Konsil-Anbindung Dermatologie für Epikutantest und Dermatoskopie. Schulung 3-Stufen-Hautschutz im Erstgespräch. Fristen in unserer digitalen Vorsorgekartei.

5. Häufige Fragen (FAQ)

Was zählt als Feuchtarbeit?

Regelmäßige Hautexposition mit Wasser, Reinigungsmitteln oder feuchten Händen in flüssigkeitsdichten Handschuhen für > 4 Stunden täglich (Pflicht) oder 2–4 Stunden (Angebot).

Wie oft muss ich zur Hautvorsorge?

Vor Aufnahme der Tätigkeit; erste Nachsorge nach 6 Monaten, weitere Nachsorgen alle 36 Monate je nach Exposition. Bei Hautveränderung sofortige Anlass-Vorsorge.

Was ist der 3-Stufen-Hautschutzplan?

Hautschutzcreme vor Arbeit — hautschonende Reinigung während/nach Arbeit — Hautpflegecreme nach Arbeit. Pflichtaushang nach TRGS 401.

Was passiert beim Hautarztverfahren?

Bei drohender oder manifester Berufsdermatose meldet der Hautarzt der BG. Stufenweise Prävention; bei Rückfall Tertiarprävention mit stationärem Heilverfahren möglich.

Wer trägt die Kosten?

Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG.

Sind Latex-Handschuhe noch zulässig?

Naturlatex mit Proteinen ist in vielen Bereichen verboten oder beschränkt (TRGS 540). Nitril- oder Vinylhandschuhe sind Standard.

Dermatologe inspiziert Handekzem mit Lupe
Hautstatus mit Lupe — Inspektion auf Kontaktekzem im Rahmen der Hautvorsorge.
Pflegekraft mit Schutzhandschuhen und Händedesinfektion
Schutzhandschuhe und Händedesinfektion — Feuchtarbeit in der Patientenpflege.

6. Quellen

  • DGUV Empfehlung E GHA, Fassung Januar 2022
  • TRGS 401 (Gefährdung durch Hautkontakt); TRGS 540 (sensibilisierende Stoffe)
  • BKV Anlage 1, BK 5101 / 5102 / 5103
  • ArbMedVV; AMR 2.1, AMR 6.3

Stand: 30. April 2026 —Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.

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