Gefahrstoffe · E GHA · Fassung Januar 2022

Gefährdung der Haut — Vorsorge G 24 (E GHA)

Auf einen Blick: Pflicht- und Angebotsvorsorge bei Feuchtarbeit, hautresorptiven und sensibilisierenden Stoffen. 3-Stufen-Hautschutzplan, BK 5101 (Hautkrankheiten). Schwerpunkte: Friseure, Reinigungskräfte, Pflegekräfte, Bauarbeiter mit Zement.

Dr. Johannes Angerer · Betriebsarzt & COO IAAI · Aktualisiert 30. April 2026 · 13 Min Lesezeit

„Pflichtvorsorge bei Feuchtarbeit von regelmäßig mehr als 4 Stunden pro Tag und bei Tätigkeiten mit hautresorptiven Stoffen.“

— DGUV Empfehlung E GHA, Fassung Januar 2022, S. 312

1. Worum geht es bei der Hautvorsorge?

Die DGUV-Empfehlung E GHA regelt die Vorsorge bei Hautgefährdung. Pflichtvorsorge bei Feuchtarbeit > 4 Stunden täglich, hautresorptiven Stoffen (z. B. Aniline, Phenole, Pestizide), sensibilisierenden Stoffen, UV-Exposition. Angebotsvorsorge bei Feuchtarbeit 2–4 Stunden, milden Reizstoffen.

Hauptkrankheitsbilder: Irritatives Kontaktekzem, allergisches Kontaktekzem, Hautkrebs durch UV/Teer/Aromaten. BK 5101 (schwere/wiederholt rückfällige Hautkrankheiten), BK 5102 (Hautkrebs durch Pech/Teer/Ruß), BK 5103 (Hautkrebs durch UV-Strahlung).

2. Branchen-Schlaglicht

Top-3-Branchen aus IAAI-Sicht

  1. Friseure / Kosmetik — Feuchtarbeit, Persulfate, Haarfärbemittel.
  2. Reinigungs-/Pflegegewerbe — Feuchtarbeit, Desinfektionsmittel, Handschuhe.
  3. Bau / Maler — Zement (Chrom-VI), Epoxidharze, Lösungsmittel, UV.

3. Untersuchungsumfang

Anamnese: Atopiker-Status, frühere Hautkrankheiten, Hobby-Exposition, Handschutz-Disziplin.

UntersuchungZweck
Inspektion Hände, Unterarme, sichtbare HautEkzem, Knoten, aktinische Keratosen
Anamnese Hautschutz / 3-Stufen-PlanSchutz, Reinigung, Pflege
Bei Verdacht: Epikutantest (Allergologe)Allergische Sensibilisierung
Bei UV-Exposition: dermatoskopische InspektionAktinische Keratosen, Hautkrebs-Präkanzerose
3-Stufen-Hautschutzplan nach TRGS 401: (1) Hautschutzcreme vor Arbeit, (2) hautschonende Reinigung, (3) Hautpflegecreme nach Arbeit. Pflichtaushang am Arbeitsplatz.

Fristen (AMR 2.1)

Erstvorsorge vor Aufnahme; Folgevorsorge alle 12–36 Monate je nach Exposition. Anlass-Vorsorge bei Hautveränderung.

4. Beurteilung & IAAI in der Praxis

Bei manifester Berufsdermatose (BK 5101) greift das Hautarztverfahren: Stufenweise Präventionsmaßnahmen, ggf. Tertiarprävention mit stationärem Heilverfahren der BG. Vor Rückkehr an den Arbeitsplatz Schulung im Hautschutz Pflicht.

IAAI-Praxis: Inspektion, Anamnese, ggf. Konsil-Anbindung Dermatologie für Epikutantest und Dermatoskopie. Schulung 3-Stufen-Hautschutz im Erstgespräch. Fristen in unserer digitalen Vorsorgekartei.

5. Häufige Fragen (FAQ)

Was zählt als Feuchtarbeit?

Regelmäßige Hautexposition mit Wasser, Reinigungsmitteln oder feuchten Händen in flüssigkeitsdichten Handschuhen für > 4 Stunden täglich (Pflicht) oder 2–4 Stunden (Angebot).

Wie oft muss ich zur Hautvorsorge?

Vor Aufnahme; danach 12–36 Monate je nach Exposition. Bei Hautveränderung sofortige Anlass-Vorsorge.

Was ist der 3-Stufen-Hautschutzplan?

Hautschutzcreme vor Arbeit — hautschonende Reinigung während/nach Arbeit — Hautpflegecreme nach Arbeit. Pflichtaushang nach TRGS 401.

Was passiert beim Hautarztverfahren?

Bei drohender oder manifester Berufsdermatose meldet der Hautarzt der BG. Stufenweise Prävention; bei Rückfall Tertiarprävention mit stationärem Heilverfahren möglich.

Wer trägt die Kosten?

Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG.

Sind Latex-Handschuhe noch zulässig?

Naturlatex mit Proteinen ist in vielen Bereichen verboten oder beschränkt (TRGS 540). Nitril- oder Vinylhandschuhe sind Standard.

Dermatologe inspiziert Handekzem mit Lupe
Hautstatus mit Lupe — Inspektion auf Kontaktekzem im Rahmen der Hautvorsorge.
Pflegekraft mit Schutzhandschuhen und Händedesinfektion
Schutzhandschuhe und Händedesinfektion — Feuchtarbeit in der Patientenpflege.

6. Quellen

  • DGUV Empfehlung E GHA, Fassung Januar 2022
  • TRGS 401 (Gefährdung durch Hautkontakt); TRGS 540 (sensibilisierende Stoffe)
  • BKV Anlage 1, BK 5101 / 5102 / 5103
  • ArbMedVV; AMR 2.1, AMR 6.3

Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.