Gefährdung der Haut — Vorsorge G 24 (E GHA)
„Pflichtvorsorge bei Feuchtarbeit von regelmäßig mehr als 4 Stunden pro Tag und bei Tätigkeiten mit hautresorptiven Stoffen.“
— DGUV Empfehlung E GHA, Fassung Januar 2022, S. 312
1. Worum geht es bei der Hautvorsorge?
Die DGUV-Empfehlung E GHA regelt die Vorsorge bei Hautgefährdung. Pflichtvorsorge bei Feuchtarbeit > 4 Stunden täglich, hautresorptiven Stoffen (z. B. Aniline, Phenole, Pestizide), sensibilisierenden Stoffen, UV-Exposition. Angebotsvorsorge bei Feuchtarbeit 2–4 Stunden, milden Reizstoffen.
Hauptkrankheitsbilder: Irritatives Kontaktekzem, allergisches Kontaktekzem, Hautkrebs durch UV/Teer/Aromaten. BK 5101 (schwere/wiederholt rückfällige Hautkrankheiten), BK 5102 (Hautkrebs durch Pech/Teer/Ruß), BK 5103 (Hautkrebs durch UV-Strahlung).
2. Branchen-Schlaglicht
Top-3-Branchen aus IAAI-Sicht
- Friseure / Kosmetik — Feuchtarbeit, Persulfate, Haarfärbemittel.
- Reinigungs-/Pflegegewerbe — Feuchtarbeit, Desinfektionsmittel, Handschuhe.
- Bau / Maler — Zement (Chrom-VI), Epoxidharze, Lösungsmittel, UV.
3. Untersuchungsumfang
Anamnese: Atopiker-Status, frühere Hautkrankheiten, Hobby-Exposition, Handschutz-Disziplin.
| Untersuchung | Zweck |
|---|---|
| Inspektion Hände, Unterarme, sichtbare Haut | Ekzem, Knoten, aktinische Keratosen |
| Anamnese Hautschutz / 3-Stufen-Plan | Schutz, Reinigung, Pflege |
| Bei Verdacht: Epikutantest (Allergologe) | Allergische Sensibilisierung |
| Bei UV-Exposition: dermatoskopische Inspektion | Aktinische Keratosen, Hautkrebs-Präkanzerose |
Fristen (AMR 2.1)
Erstvorsorge vor Aufnahme; Folgevorsorge alle 12–36 Monate je nach Exposition. Anlass-Vorsorge bei Hautveränderung.
4. Beurteilung & IAAI in der Praxis
Bei manifester Berufsdermatose (BK 5101) greift das Hautarztverfahren: Stufenweise Präventionsmaßnahmen, ggf. Tertiarprävention mit stationärem Heilverfahren der BG. Vor Rückkehr an den Arbeitsplatz Schulung im Hautschutz Pflicht.
IAAI-Praxis: Inspektion, Anamnese, ggf. Konsil-Anbindung Dermatologie für Epikutantest und Dermatoskopie. Schulung 3-Stufen-Hautschutz im Erstgespräch. Fristen in unserer digitalen Vorsorgekartei.
5. Häufige Fragen (FAQ)
Was zählt als Feuchtarbeit?
Regelmäßige Hautexposition mit Wasser, Reinigungsmitteln oder feuchten Händen in flüssigkeitsdichten Handschuhen für > 4 Stunden täglich (Pflicht) oder 2–4 Stunden (Angebot).
Wie oft muss ich zur Hautvorsorge?
Vor Aufnahme; danach 12–36 Monate je nach Exposition. Bei Hautveränderung sofortige Anlass-Vorsorge.
Was ist der 3-Stufen-Hautschutzplan?
Hautschutzcreme vor Arbeit — hautschonende Reinigung während/nach Arbeit — Hautpflegecreme nach Arbeit. Pflichtaushang nach TRGS 401.
Was passiert beim Hautarztverfahren?
Bei drohender oder manifester Berufsdermatose meldet der Hautarzt der BG. Stufenweise Prävention; bei Rückfall Tertiarprävention mit stationärem Heilverfahren möglich.
Wer trägt die Kosten?
Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG.
Sind Latex-Handschuhe noch zulässig?
Naturlatex mit Proteinen ist in vielen Bereichen verboten oder beschränkt (TRGS 540). Nitril- oder Vinylhandschuhe sind Standard.


6. Quellen
- DGUV Empfehlung E GHA, Fassung Januar 2022
- TRGS 401 (Gefährdung durch Hautkontakt); TRGS 540 (sensibilisierende Stoffe)
- BKV Anlage 1, BK 5101 / 5102 / 5103
- ArbMedVV; AMR 2.1, AMR 6.3
Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.