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Von Johannes F. Angerer·4. April 2026·Arbeitsschutz

Sonnenschutz bei der Arbeit: UV-Schutz, Berufskrankheit BK 5103 und Prävention

Rund 7,2 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten regelmäßig im Freien: auf Baustellen, im Straßenbau, in der Landwirtschaft oder auf Dächern. Seit 2015 ist Hautkrebs durch UV-Strahlung als Berufskrankheit BK 5103 anerkannt – mit über 10.000 Verdachtsmeldungen allein 2023. Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich.

In diesem Artikel erfahren Sie, welche UV-Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz vorgeschrieben sind, wie die BK 5103 anerkannt wird und wie Sie Ihre Beschäftigten wirksam schützen.

UV-Strahlung am Arbeitsplatz: Rechtliche Grundlagen und Arbeitgeberpflichten

Gesetzlicher Rahmen für den UV-Schutz bei Outdoor-Arbeit

Der Sonnenschutz am Arbeitsplatz ist keine freiwillige Leistung, sondern in einem dichten Netz aus Gesetzen und Verordnungen verankert. Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet Arbeitgeber nach § 3, alle erforderlichen Schutzmaßnahmen zu treffen. Natürliche UV-Strahlung ist in der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG zu berücksichtigen. Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) schreibt in Anhang Nr. 5.1 Schutz gegen Witterungseinflüsse einschließlich Sonneneinstrahlung vor.

Die DGUV Information 203-085 ("Arbeiten unter der Sonne") beschreibt das TOP-Prinzip für den UV-Schutz: Technische Maßnahmen (Sonnensegel, Überdachungen, mobile Schattierungen), Organisatorische Maßnahmen (Arbeitszeiten in UV-arme Stunden verlegen, Pausenregelungen im Schatten) und Persönliche Schutzausrüstung (UV-Schutzkleidung UPF 50+, Kopfbedeckungen mit Nackenschutz, UV-Schutzbrillen UV-400, Sonnencreme LSF 50+).

Gefährdungsbeurteilung UV-Strahlung: Was Arbeitgeber bewerten müssen

Die Gefährdungsbeurteilung UV-Strahlung muss mehrere Faktoren berücksichtigen: Expositionsdauer, Jahreszeit und Uhrzeit, geografische Lage des Arbeitsplatzes, Reflexionsflächen (Wasser, Schnee, helle Betonflächen) und individuelle Faktoren der Beschäftigten wie Hauttyp oder photosensibilisierende Medikamente. Der entscheidende Schwellenwert ist der UV-Index: Ab UV-Index 3 (moderat) sind Schutzmaßnahmen zwingend erforderlich. In Deutschland wird dieser Wert von April bis September regelmäßig erreicht, im Hochsommer liegen die Werte häufig bei UV-Index 7 bis 8.

Sonnencreme, Schutzkleidung und Co.: PSA-Pflicht des Arbeitgebers

Sonnencreme am Arbeitsplatz ist keine Privatangelegenheit der Beschäftigten. Wenn UV-Strahlung in der Gefährdungsbeurteilung als Gefährdung identifiziert wurde, muss der Arbeitgeber die gesamte UV-Schutzausrüstung kostenfrei bereitstellen: UV-Schutzkleidung mit UPF 50+, breitkrempige Kopfbedeckungen mit Nackenschutz, UV-Schutzbrillen mit UV-400-Filter und Sonnencreme mit LSF 50+. Diese PSA ist in den betrieblichen Hautschutzplan nach DGUV Regel 112-992 zu integrieren.

Wichtig: Verstöße gegen diese Pflichten können nach § 25 ArbSchG mit Bußgeldern von bis zu 25.000 Euro geahndet werden. Bei vorsätzlicher Gefährdung droht nach § 26 ArbSchG sogar Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr.

Hautkrebs als Berufskrankheit BK 5103: Anerkennung, Voraussetzungen und Konsequenzen

Was ist die BK 5103?

Seit dem 1. Januar 2015 ist das Plattenepithelkarzinom der Haut (Stachelzellkrebs) sowie seine Vorstufen – die aktinischen Keratosen – als Berufskrankheit Nr. 5103 anerkannt. Die offizielle Bezeichnung lautet: "Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung". Diese Anerkennung war ein Meilenstein, denn sie macht deutlich: Hautkrebs durch UV-Strahlung ist kein individuelles Schicksal, sondern ein berufsbedingtes Gesundheitsrisiko.

Voraussetzungen für die Anerkennung

Für die Anerkennung der BK 5103 müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Erstens die Diagnose eines Plattenepithelkarzinoms oder multipler aktinischer Keratosen (mindestens sechs innerhalb von 12 Monaten). Zweitens eine langjährige berufliche UV-Exposition – typisch bei Berufen im Bau, Straßenbau, Dachdecker, Gerüstbau, Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder Garten- und Landschaftsbau. Drittens der kausale Zusammenhang zwischen beruflicher UV-Exposition und Erkrankung.

Kosten einer BK 5103 für Arbeitgeber

Pro anerkanntem Fall entstehen der Berufsgenossenschaft Kosten zwischen 20.000 und über 100.000 Euro – für Behandlung, Rehabilitation und ggf. lebenslange Rente. Demgegenüber stehen Präventionskosten von nur 100 bis 200 Euro pro Beschäftigtem und Jahr. UV-Schutzkleidung (UPF 50+) kostet ca. 30 bis 80 Euro pro Set, Kopfbedeckungen 10 bis 25 Euro, UV-Schutzbrillen 10 bis 30 Euro. Berufsgenossenschaften bezuschussen UV-Schutzausrüstung über Arbeitsschutzprämien mit bis zu 50 Prozent.

Verdachtsmeldung und BK-Verfahren

Besteht der Verdacht auf eine BK 5103, ist der Betriebsarzt oder behandelnde Arzt zur ärztlichen Anzeige einer Berufskrankheit verpflichtet. Der Betriebsarzt begleitet das gesamte BK-Verfahren, erstellt die Dokumentation der beruflichen UV-Exposition und unterstützt den betroffenen Beschäftigten. Die Anerkennung löst umfangreiche Leistungsansprüche aus: Übernahme sämtlicher Behandlungskosten, Rehabilitation, ggf. Umschulung und Berufskrankheitenrente.

Arbeitsmedizinische Vorsorge und Prävention: So schützen Sie Ihre Outdoor-Beschäftigten

Pflichtvorsorge bei UV-Exposition nach ArbMedVV

Die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) schreibt in Anhang Teil 3 eine Pflichtvorsorge vor für Beschäftigte mit intensiver Belastung durch natürliche UV-Strahlung. In der Regel betrifft dies alle Beschäftigten, die zwischen April und September regelmäßig mehr als eine Stunde täglich im Freien arbeiten. Die Vorsorge umfasst: individuelle Beratung zu UV-Risiken, Hautinspektion durch den Betriebsarzt, Identifikation besonders gefährdeter Beschäftigter (Hauttyp I und II, Immunsupprimierte) und Beratung zu photosensibilisierenden Medikamenten. Die Pflichtvorsorge ist Tätigkeitsvoraussetzung – ohne Teilnahme darf die Tätigkeit nicht ausgeübt werden.

Praxiserprobte UV-Schutzmaßnahmen für den Arbeitsalltag

UV-Ampel auf der Baustelle: Zeigen Sie den aktuellen UV-Index täglich gut sichtbar an – mit einem einfachen Ampelsystem. Grün (UV-Index unter 3), Gelb (UV-Index 3 bis 5: Schutz empfohlen), Rot (UV-Index ab 6: Schutzmaßnahmen Pflicht). Arbeitszeitverlagerung: Verlegen Sie UV-intensive Außenarbeiten in die Morgenstunden (vor 10:00 Uhr) und späten Nachmittag (nach 16:00 Uhr). Sonnencreme-Spender am Handwaschbecken installieren – das steigert die Nutzungsrate von etwa 15 Prozent auf über 80 Prozent. Buddy-System: Beschäftigte erinnern sich gegenseitig ans Nachcremen und an den Kopfschutz.

Jährliche Unterweisung zum UV-Schutz

Arbeitgeber sind verpflichtet, Beschäftigte mindestens einmal jährlich über UV-Gefahren, Hautkrebsrisiko, Schutzmaßnahmen und die richtige Anwendung von Sonnencreme und UV-Schutzkleidung zu unterweisen. Besonders wirksam sind interaktive Formate, bei denen Beschäftigte ihren Hauttyp bestimmen und individuelle Schutzempfehlungen erhalten. Führen Sie vor der Sommersaison (idealerweise im März oder April) einen Hautscreening-Tag durch.

Praxis-Checkliste: UV-Schutz am Arbeitsplatz

Nutzen Sie diese Checkliste, um den UV-Schutz in Ihrem Unternehmen systematisch zu überprüfen:

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss der Arbeitgeber Sonnencreme bereitstellen?

Ja. Wenn Beschäftigte im Freien arbeiten und UV-Strahlung in der Gefährdungsbeurteilung als Gefährdung identifiziert wurde, gehört Sonnencreme (LSF 50+, UVA- und UVB-Schutz) zur persönlichen Schutzausrüstung. Der Arbeitgeber muss sie kostenfrei bereitstellen und in den betrieblichen Hautschutzplan integrieren.

Ab welchem UV-Index sind Schutzmaßnahmen Pflicht?

Ab UV-Index 3 (moderat) sind Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz erforderlich. In Deutschland wird dieser Wert von April bis September regelmäßig erreicht. Ab UV-Index 6 zusätzlich UV-Schutzkleidung und Arbeitszeitanpassung, ab UV-Index 8 umfassende Schutzmaßnahmen.

Wann ist Hautkrebs eine anerkannte Berufskrankheit?

Seit 2015 sind Plattenepithelkarzinome und multiple aktinische Keratosen als Berufskrankheit BK 5103 anerkannt. Voraussetzung ist eine langjährige berufliche UV-Exposition – typisch bei Outdoor-Berufen im Bau, in der Landwirtschaft oder im Straßenbau.

Ist die arbeitsmedizinische Vorsorge bei UV-Exposition Pflicht?

Ja. Bei intensiver Belastung durch natürliche UV-Strahlung ist die Vorsorge nach ArbMedVV Pflichtvorsorge. Betroffen sind Beschäftigte, die regelmäßig mehr als eine Stunde täglich zwischen April und September im Freien arbeiten. Ohne Teilnahme darf die Tätigkeit nicht ausgeübt werden.

Welche Kosten entstehen durch eine BK-5103-Anerkennung?

Pro anerkanntem Fall entstehen Kosten zwischen 20.000 und über 100.000 Euro für Behandlung, Rehabilitation und ggf. lebenslange Berufskrankheitenrente. Präventionskosten liegen dagegen bei nur 100 bis 200 Euro pro Beschäftigtem und Jahr.

Welche Förderungen gibt es für UV-Schutzausrüstung?

Berufsgenossenschaften bezuschussen UV-Schutzausrüstung über Arbeitsschutzprämien mit bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten. Alle Investitionen in den UV-Schutz sind als Betriebsausgaben voll steuerlich absetzbar.

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