Krebserzeugende und keimzellmutagene Gefahrstoffe (CMR) — Vorsorge G 40 (E KEG)
„Der Unternehmer hat die Beschaffenheit der CMR-Stoffe so zu wählen, dass eine Substitution möglich ist, oder andernfalls geschlossene Systeme zu verwenden.“
— DGUV Empfehlung E KEG, Fassung Januar 2022, S. 533
1. Worum geht es?
CMR-Stoffe (Carcinogenic, Mutagenic, Reprotoxic) sind nach CLP-Verordnung in Kategorie 1A/1B/2 eingestuft. Bei Kategorie 1A/1B greift hochgradige Substitutionspflicht (GefStoffV), TRGS 905 (Verzeichnis), TRGS 910 (Risikokonzept Akzeptanzkonzentration AK / Toleranzkonzentration TK).
Pflichtvorsorge bei Tätigkeiten oberhalb AGW oder bei Carc-1A/1B-Stoffen ohne AGW. Nachgehende Vorsorge nach Aufgabe der Tätigkeit (Erfassung in ZAS = Zentrale Expositionsdatenbank), oft über 30+ Jahre wegen Latenzzeiten.
2. CMR-Stoffe nach Kategorien
| Kategorie | Bedeutung | Beispiele |
|---|---|---|
| Carc 1A | Bekannt krebserzeugend für Menschen | Asbest, Benzol, Vinylchlorid, Arsen |
| Carc 1B | Sehr wahrscheinlich krebserzeugend | Cadmium, Chrom-VI, Nickel-Verbindungen |
| Muta 1A/1B | Keimzellmutagen | Bestimmte Aromaten, Alkyl-Verbindungen |
| Repr 1A/1B | Reproduktionstoxisch | Bleitetraethyl, NMP |
Branchen mit hohem CMR-Risiko
- Chemische Industrie (Synthese, Konfektionierung)
- Forschungslabore (Universitäten, Pharma-F&E)
- Galvanik / Metallindustrie
3. Untersuchungsumfang & nachgehende Vorsorge
Anamnese: Konkrete CMR-Stoffe, Tagesexposition, kollektive Schutzmaßnahmen, frühere Expositionen, Krebserkrankungen Familie.
Untersuchung: Stoff-spezifisch (z. B. Spirometrie + Sputumzytologie bei Lungenkanzerogenen, Biomonitoring bei resorptiven Stoffen, Inspektion Haut bei Kontakt-CMR). Früherkennungsuntersuchung typisch in der nachgehenden Vorsorge.
Fristen
Erstvorsorge vor Aufnahme; Folge alle 12–36 Monate je Stoff/Exposition. Nachgehende Vorsorge: i. d. R. alle 1–3 Jahre über 30+ Jahre nach Tätigkeitsende, finanziert von der Berufsgenossenschaft.
4. IAAI in der Praxis
- ZAS-Eintragung jeder relevanten CMR-Exposition.
- Stoff-spezifische Diagnostik je nach Anlage 1 ArbMedVV (Biomonitoring, Spirometrie, Sputum, Hautinspektion).
- Nachgehende-Vorsorge-Kartei in unserer digitalen Vorsorgekartei — 30+ Jahre Vorhaltung organisiert.
- Substitutionsberatung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung.
5. Häufige Fragen (FAQ)
Was ist CMR?
Carcinogenic, Mutagenic, Reprotoxic — Stoffe nach CLP-Verordnung mit Krebs-, Erbgut- oder Reproduktionsrisiko.
Was ist ZAS?
Zentrale Expositionsdatenbank der DGUV. Pflichteintragung für CMR-1A/1B-Expositionen, ermöglicht nachgehende Vorsorge nach Berufsende.
Wie lange nachgehende Vorsorge?
Je nach Stoff 30+ Jahre, finanziert durch BG. Bei manchen Stoffen lebenslang.
Substitutionspflicht?
Bei Carc 1A/1B muss der Unternehmer prüfen, ob ein weniger gefährlicher Ersatzstoff verfügbar ist. Dokumentation in der Gefährdungsbeurteilung.
TRGS 910 Risikokonzept?
Akzeptanz- und Toleranzkonzentration für krebserzeugende Stoffe. Unter AK = niedriges Risiko, über TK = unzulässig hohes Risiko.
Wer trägt die Kosten?
Der Arbeitgeber für aktive Vorsorge; die Berufsgenossenschaft für nachgehende Vorsorge.
6. Quellen
- DGUV Empfehlung E KEG, Fassung Januar 2022
- GefStoffV; TRGS 905 (Verzeichnis); TRGS 910 (Risikokonzept)
- CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008
- BKV (verschiedene); ArbMedVV; AMR 2.1, AMR 6.3
Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.

