Gefahrstoffe · E KEG · Fassung Januar 2022

Krebserzeugende und keimzellmutagene Gefahrstoffe (CMR) — Vorsorge G 40 (E KEG)

Auf einen Blick: Pflicht-, Angebots- und nachgehende Vorsorge bei CMR-Stoffen Kategorie 1A/1B. Substitutionspflicht, TRGS 905/910 (Risikokonzept), ZAS-Erfassung. Lange Latenzzeiten erfordern Lebenslang-Vorsorge.
Dr. Johannes Angerer · Betriebsarzt & COO IAAI · Aktualisiert 30. April 2026 · 13 Min Lesezeit

„Der Unternehmer hat die Beschaffenheit der CMR-Stoffe so zu wählen, dass eine Substitution möglich ist, oder andernfalls geschlossene Systeme zu verwenden.“

— DGUV Empfehlung E KEG, Fassung Januar 2022, S. 533

1. Worum geht es?

CMR-Stoffe (Carcinogenic, Mutagenic, Reprotoxic) sind nach CLP-Verordnung in Kategorie 1A/1B/2 eingestuft. Bei Kategorie 1A/1B greift hochgradige Substitutionspflicht (GefStoffV), TRGS 905 (Verzeichnis), TRGS 910 (Risikokonzept Akzeptanzkonzentration AK / Toleranzkonzentration TK).

Pflichtvorsorge bei Tätigkeiten oberhalb AGW oder bei Carc-1A/1B-Stoffen ohne AGW. Nachgehende Vorsorge nach Aufgabe der Tätigkeit (Erfassung in ZAS = Zentrale Expositionsdatenbank), oft über 30+ Jahre wegen Latenzzeiten.

2. CMR-Stoffe nach Kategorien

KategorieBedeutungBeispiele
Carc 1ABekannt krebserzeugend für MenschenAsbest, Benzol, Vinylchlorid, Arsen
Carc 1BSehr wahrscheinlich krebserzeugendCadmium, Chrom-VI, Nickel-Verbindungen
Muta 1A/1BKeimzellmutagenBestimmte Aromaten, Alkyl-Verbindungen
Repr 1A/1BReproduktionstoxischBleitetraethyl, NMP

Branchen mit hohem CMR-Risiko

  1. Chemische Industrie (Synthese, Konfektionierung)
  2. Forschungslabore (Universitäten, Pharma-F&E)
  3. Galvanik / Metallindustrie

3. Untersuchungsumfang & nachgehende Vorsorge

Anamnese: Konkrete CMR-Stoffe, Tagesexposition, kollektive Schutzmaßnahmen, frühere Expositionen, Krebserkrankungen Familie.

Untersuchung: Stoff-spezifisch (z. B. Spirometrie + Sputumzytologie bei Lungenkanzerogenen, Biomonitoring bei resorptiven Stoffen, Inspektion Haut bei Kontakt-CMR). Früherkennungsuntersuchung typisch in der nachgehenden Vorsorge.

ZAS-Pflicht: Jede Exposition gegenüber CMR-Stoffen 1A/1B muss bei der Zentralen Expositionsdatenbank der DGUV registriert werden. Ermöglicht nachgehende Vorsorge auch Jahrzehnte nach Tätigkeitsende.

Fristen

Erstvorsorge vor Aufnahme; Folge alle 12–36 Monate je Stoff/Exposition. Nachgehende Vorsorge: i. d. R. alle 1–3 Jahre über 30+ Jahre nach Tätigkeitsende, finanziert von der Berufsgenossenschaft.

4. IAAI in der Praxis

  • ZAS-Eintragung jeder relevanten CMR-Exposition.
  • Stoff-spezifische Diagnostik je nach Anlage 1 ArbMedVV (Biomonitoring, Spirometrie, Sputum, Hautinspektion).
  • Nachgehende-Vorsorge-Kartei in unserer digitalen Vorsorgekartei — 30+ Jahre Vorhaltung organisiert.
  • Substitutionsberatung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung.

5. Häufige Fragen (FAQ)

Was ist CMR?

Carcinogenic, Mutagenic, Reprotoxic — Stoffe nach CLP-Verordnung mit Krebs-, Erbgut- oder Reproduktionsrisiko.

Was ist ZAS?

Zentrale Expositionsdatenbank der DGUV. Pflichteintragung für CMR-1A/1B-Expositionen, ermöglicht nachgehende Vorsorge nach Berufsende.

Wie lange nachgehende Vorsorge?

Je nach Stoff 30+ Jahre, finanziert durch BG. Bei manchen Stoffen lebenslang.

Substitutionspflicht?

Bei Carc 1A/1B muss der Unternehmer prüfen, ob ein weniger gefährlicher Ersatzstoff verfügbar ist. Dokumentation in der Gefährdungsbeurteilung.

TRGS 910 Risikokonzept?

Akzeptanz- und Toleranzkonzentration für krebserzeugende Stoffe. Unter AK = niedriges Risiko, über TK = unzulässig hohes Risiko.

Wer trägt die Kosten?

Der Arbeitgeber für aktive Vorsorge; die Berufsgenossenschaft für nachgehende Vorsorge.

6. Quellen

  • DGUV Empfehlung E KEG, Fassung Januar 2022
  • GefStoffV; TRGS 905 (Verzeichnis); TRGS 910 (Risikokonzept)
  • CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008
  • BKV (verschiedene); ArbMedVV; AMR 2.1, AMR 6.3

Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.

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