Arbeitsmedizin

Berufskrankheiten & Krebsprävention – Krebs als häufigste tödliche BK

Dr. Johannes Angerer·4. Februar 2026

Krebs ist in Deutschland die häufigste tödliche Berufskrankheit. Aktuelle Daten der DGUV 2024, die 6. BKV-Novelle und konkrete Präventionsmaßnahmen zum Weltkrebstag.

Erfahrener Bauarbeiter mit Schutzausrüstung — Berufskrankheits-Prävention
Arbeitsmedizinische Vorsorge: zentrales Instrument der Sekundärprävention

1. Aktuelle Zahlen 2024

Der Rückgang der Anerkennungen 2024 ist überwiegend technisch bedingt: Nach Auslaufen der COVID-19-Sonderkonjunktur bei BK 3101 normalisiert sich die Statistik. Krebsbedingte BK-Fälle zeigen dagegen eine stabile bis leicht sinkende Tendenz – mit Ausreißern im Asbest- und Quarzstaubbereich, wo Expositionen oft vor 20–40 Jahren stattgefunden haben.

2. Die 6. BKV-Novelle (April 2025)

Anfang April 2025 trat die Sechste Verordnung zur Änderung der BKV in Kraft. Sie erweitert die Liste um drei neue Einträge:

BK-Nr.ErkrankungBranchen
BK 2116RotatorenmanschettenläsionFliesenleger, Maler, Schweißer, Monteure
BK 2117Gonarthrose bei ProfifußballernLeistungssport
BK 4116COPD durch QuarzstaubBau, Steinmetz, Gießereien, Tunnel

3. Die wichtigsten arbeitsbedingten Krebserkrankungen

Asbestassoziierte Erkrankungen (BK 4103–4105, 4114, 4115). Mesotheliom, Bronchial-, Larynx-, Ovarial- und Pharynxkarzinom. Latenzzeit 20–40 Jahre. Peak-Inzidenz für Mesotheliome 2025–2030 erwartet.

Benzol und Derivate (BK 1303). AML nach langjähriger Benzolexposition.

PAK (BK 4113). Lungenkrebs durch PAK-Exposition (Koksofen, Dachdecker, Aluminium).

Nickel und Chrom-VI (BK 4108, 4109). Lungen- und Nasennebenhöhlenkarzinome durch Edelstahlschweißen, Galvanik.

UV-Strahlung – Hautkrebs (BK 5103). Plattenepithelkarzinom durch langjährige UV-Exposition. 2024 mit ca. 7.800 Anerkennungen die zahlenmäßig häufigste BK.

Sonnenschutz-Anwendung bei Outdoor-Arbeit — Hautkrebs-Prävention
Asbest bleibt mit 65 Prozent der BK-Todesfälle die wichtigste Berufskrebs-Quelle

4. Krebsprävention als Aufgabe des Arbeitsschutzes

Primärprävention: Substitution krebserzeugender Stoffe nach TRGS 600, geschlossene Anlagen, Absaugung, organisatorische Trennung, strenge PSA-Pflicht.

Sekundärprävention: Arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV. Pflichtuntersuchungen für KMR-Stoffe, Asbest, Benzol, PAK, Chrom-VI, Nickel. Angebotsuntersuchungen bei UV-Exposition. Nachgehende Vorsorge nach Beendigung der Tätigkeit (ODIN, ZAs).

Tertiärprävention: Bei Verdacht Meldepflicht nach § 202 SGB VII. Nach gesichertem BK-Fall greifen Heilverfahren, Reha und ggf. berufliche Umorientierung.

5. TRGS 910 und das Risikokonzept für KMR-Stoffe

Für krebserzeugende Stoffe gilt seit 2014 das Risikokonzept nach TRGS 910 mit zwei Schlüsselwerten:

Maßnahmen sind gestaffelt: Unterhalb AK grün (Grundpflichten), zwischen AK und TK gelb (erweiterte Schutzmaßnahmen, Pflichtvorsorge), oberhalb TK rot (unverzüglich, ggf. Tätigkeitsverbot).

6. Asbest: das Langzeit-Großschadensthema

Asbest war bis 1993 weit verbreitet. Mit der Novelle der GefStoffV 2024/2025 wurden die Pflichten verschärft.

Wer ist betroffen?

Was ist zu tun?

  1. Asbesterkundung vor Baumassnahmen an älteren Gebäuden
  2. Sachkundenachweis nach TRGS 519
  3. Staubmesstechnik und PSA Typ 5
  4. Pflichtvorsorge nach ArbMedVV für exponierte Beschäftigte
  5. Nachgehende Vorsorge für ehemals Exponierte
Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung beim Betriebsarzt
Sensibilisierung im Outdoor-Bereich: BK 5103 Hautkrebs ist die zahlenmäßig häufigste BK

7. Hautkrebs durch UV-Strahlung – das wachsende Thema

BK 5103 ist seit 2024 die zahlenmäßig häufigste BK in Deutschland. Hintergrund: Menschen mit über 20 Jahren Outdoor-Arbeit haben deutlich erhöhtes Risiko für Plattenepithelkarzinom und aktinische Keratosen im „Sonnenterrassen“-Areal (Gesicht, Hals, Hände, Unterarme).

Präventionsmaßnahmen umfassen: technische Beschattung, organisatorische Verlagerung in den Schatten/morgendliche Stunden, langarme PSA mit UV-Schutz, Sonnencreme als letzter Schutz, jährliche Hautscreenings über den Betriebsarzt.

IAAI Arbeitssicherheit: Ihr Partner für Krebsprävention

Wir übernehmen die arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV (Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge), die Beratung zur Gefährdungsbeurteilung KMR-Stoffe, die Asbestberatung nach TRGS 519 und die Hautkrebs-Vorsorge für Outdoor-Mitarbeiter – bundesweit, vor Ort oder digital.

Lassen Sie Ihre Krebsprävention prüfen und auf den Stand der 6. BKV-Novelle bringen.

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