Vorsorge bei Tätigkeiten im Freien (Outdoor-Worker): Bau, Forst, Landwirtschaft, Straßenbau, Postzustellung, Bademeister, Sportlehrer. UV-A/B-Belastung, BK 5103 Plattenepithelkarzinom, BK 5106 Konjunktivalmelanom. Stand April 2026.
Autor: Dr. Johannes Angerer · Betriebsarzt & COO der IAAI Arbeitssicherheit GmbHVeröffentlicht: 15. Januar 2025 · Aktualisiert: 8. April 2026 · Lesezeit: 12 Minuten
Auf einen Blick
Tätigkeiten im Freien (Outdoor-Worker) führen über Jahre und Jahrzehnte zu erheblicher kumulativer UV-Exposition. Bauarbeiter, Dächdecker, Straßenbauer, Forst-/Landwirtschaft, Postzusteller, Bademeister, Sportlehrer und Außendienstler sind besonders betroffen. Seit 2015 ist das Plattenepithelkarzinom und aktinische Keratose der Haut durch natürliche UV-Strahlung als BK 5103 anerkannt. BK 5106 erfasst das Konjunktivalmelanom. Vorsorge nach DGUV E NOS umfasst Beratung, Hautcheck, UV-Schutzplanung. Schutzziele: Hautkrebs-Prävention durch UV-Schutz, Augenschädigung präventieren.
Hautcheck mit Dermatoskop — Hautkrebs-Früherkennung der NOS-Vorsorge.Dachdeckerarbeit — typische Outdoor-UV-Belastung mit BK-5103-Risiko.
1. Was ist die NOS-Vorsorge?
Die Vorsorge bei natürlicher optischer Strahlung (DGUV E NOS) ist die arbeitsmedizinische Vorsorge für Outdoor-Worker mit relevanter Sonnenexposition. Schwerpunkt: Prävention von Hautkrebs (Plattenepithelkarzinom, Basalzellkarzinom, malignes Melanom) sowie Augenerkrankungen (Pterygium, Konjunktivalmelanom).
2. Rechtsgrundlage
ArbMedVV Anhang Teil 3 (Optische Strahlung)
OStrV regelt nur künstliche Strahlung; natürliche UV über ArbSchG/Gefährdungsbeurteilung
DGUV-Information 203-088 — Outdoor-Worker
BKV — BK 5103 (Plattenepithelkarzinom/aktinische Keratose), BK 5106 (Konjunktivalmelanom)
3. Vorsorgeanlässe
Angebotsvorsorge bei Tätigkeiten im Freien mit kumulierter UV-Exposition (Outdoor-Worker > 1 h Sonnenexposition pro Tag im Sommer).
Pflichtvorsorge nach individueller Gefährdungsbeurteilung bei besonderen Tätigkeiten oder hoher Exposition.
4. Branchen, Krankheitsbild, BK-Risiken
Outdoor-Worker im Sommer — typische Sonnenbelastung mit BK-5103-Risiko bei jahrelanger Exposition.
Beratung zu UV-Schutz, Sonnencreme, Schutzkleidung. Anamnese: Hauttyp (Fitzpatrick I–VI), Sonnenbrände in Kindheit, frühere Hautkrebse, kumulative UV-Stunden, Familienanamnese. Hautinspektion mit Auflichtmikroskop (Dermatoskop) — systematischer Hautcheck mit Fokus auf sonnenexponierte Areale (Gesicht, Stirn, Glatze, Ohren, Hände, Unterarme). Bei Verdacht auf aktinische Keratose oder Karzinom: Dermatologie-Überweisung. Augenkontrolle: Pterygium, Spaltlampe.
6. Beurteilung
Vier-Stufen-Beurteilung. Bei aktinischer Keratose oder Plattenepithelkarzinom-Verdacht: Stufe 3–4, dermatologische Überweisung; UV-Schutzmaßnahmen verifizieren.
7. Praxistipps für Unternehmen
UV-Index täglich prüfen. Bei UV-Index ≥ 3 Schutzmaßnahmen erforderlich; ab 6 streng. Apps, DWD-Wetterdienst.
STOP-Prinzip. Substitution (Verlagerung in den Schatten/Hallen wo möglich) → technische Schutzmaßnahmen (Sonnenschutzdächer, Markisen) → organisatorisch (Mittagspause 11–15 Uhr) → PSA (Helm mit Nackenschutz, langarmige Kleidung UPF40+, Sonnencreme LSF50+).
Sonnencreme bereitstellen. Arbeitgeber stellt Sonnencreme LSF 50+ kostenfrei bereit; alle 2 Stunden auftragen.
Hautcheck jährlich. Im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge oder als Hautkrebs-Screening Programm.
Unterweisung. Eigenkontrolle Haut (ABCDE-Regel), wann zum Arzt, Sonnenschutz-Verhalten.
Sonnenbrille. EN ISO 12312-1 mit UV400-Schutz; bei Schweißerarbeit zusätzlich Schweißerschutzbrille.
FAQ
Was ist BK 5103?
Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung. Anerkannt seit 2015. Voraussetzung: kumulative UV-Belastung im Beruf, Tätigkeiten hauptsächlich im Freien.
Wann ist BK 5103 anerkennbar?
Bei Plattenepithelkarzinom oder ≥ 5 aktinischen Keratosen pro Jahr in sonnenexponierten Hautarealen, erhöhte berufliche UV-Exposition (typisch > 50% Outdoor-Anteil über Jahre).
Was sagt die ABCDE-Regel?
A = Asymmetrie, B = Begrenzung, C = Color (Farbe), D = Durchmesser > 6 mm, E = Evolution (Veränderung). Bei Auffälligkeit Hautarzt aufsuchen.
Welche Sonnencreme ist sinnvoll?
LSF 50+ mit UV-A- und UV-B-Schutz („Breitspektrum“), wasserfest. Nach 2 h und nach Schwitzen erneut auftragen. Augenkontaktarme Formulierungen für Outdoor-Worker.
Welche UV-Index-Werte sind kritisch?
UV-Index 1–2 niedrig, 3–5 mittel, 6–7 hoch, 8–10 sehr hoch, 11+ extrem. Schutzmaßnahmen ab UV-Index 3.
Können Outdoor-Worker auch im Winter Hautkrebs-Risiko haben?
Ja — vor allem im Hochgebirge (Skipisten, Bergrettung, Skiläufer-Trainer): Schnee reflektiert bis zu 80% UV-Strahlung, in 2000 m Höhe ist UV-Belastung 30% höher als am Talboden.
Quellen
DGUV Empfehlung „Natürliche optische Strahlung“ (E NOS), Fassung Januar 2022
DGUV-Information 203-088 — UV-Schutz im Outdoor-Beruf
BKV — BK 5103 (Plattenepithelkarzinom), BK 5106 (Konjunktivalmelanom)
WHO Global Solar UV Index
DWD UV-Index Service
IAAI — wir setzen die UV-/Sonnen-Vorsorge für Sie um
Wir betreuen Bau-, Forst-, Straßenbau-, Landwirtschafts- und Außendienst-Betriebe bundesweit. Hautcheck mit Dermatoskop, ABCDE-Schulung, UV-Schutzplanung, BK-5103-Antragsbegleitung.