DGUV-Empfehlung E HIT

Hitzearbeiten-Vorsorge nach DGUV-Empfehlung E HIT

Pflicht- und Angebotsvorsorge bei Arbeit unter Hitze: Stahl-/Glas-/Gießerei-Industrie, Bäckereien, Küchen, Außenarbeit im Sommer. Klimasummenmaß WBGT, kardiovaskuläre Belastung, ASR A3.5, BK 2113. Stand April 2026.

Autor: Dr. Johannes Angerer · Betriebsarzt & COO der IAAI Arbeitssicherheit GmbHVeröffentlicht: 5. Januar 2025 · Aktualisiert: 1. April 2026 · Lesezeit: 12 Minuten

Auf einen Blick

Hitzearbeitsplätze in Stahl-, Glas-, Gießerei- und Aluminiumindustrie sowie Bäckereien, Großküchen, Wäschereien und Tunnelbau erfordern arbeitsmedizinische Vorsorge nach DGUV E HIT. Auch Außentätigkeiten im Sommer (Bau, Straßenbau, Landwirtschaft, Logistik) können relevante Hitzeexposition auslösen — verstärkt durch Klimawandel. Zentral: Klimasummenmaß WBGT als Belastungsindikator, kardiovaskuläre Vorerkrankungen als Beurteilungsschwerpunkt, ASR A3.5 Stufenkonzept ab 26 °C Raumtemperatur. Berufskrankheit: BK 2113 (Druckkammer-Arbeiten / Hitze-induzierte Gefäßerkrankungen).

Belastungs-EKG mit Brustwandableitung
Belastungs-EKG — kardiovaskuläre Belastbarkeitsprüfung der Hitze-Vorsorge.
Bäcker schiebt Backbleche in Etagenbackofen einer Großbäckerei
Großbäckerei — typische Hitzeexposition mit hohem WBGT-Index.

1. Was umfasst die Hitzearbeiten-Vorsorge?

Die Hitzearbeiten-Vorsorge (DGUV-Empfehlung E HIT) ist die arbeitsmedizinische Vorsorge für Beschäftigte an Arbeitsplätzen mit Hitzebelastung — typisch in Stahl-, Glas- und Aluminiumhütten, Gießereien, Bäckereien, Großküchen, Wäschereien, Tunnelbau, Müllverbrennung sowie auf Außenarbeitsplätzen mit hoher Sonneneinstrahlung. Schutzziel: Prävention hitzebedingter akuter Gesundheitsschäden (Hitzschlag, Hitzeerschöpfung, Synkope) und Beurteilung kardiovaskulärer Belastbarkeit.

2. Rechtsgrundlage

3. Vorsorgeanlässe

Pflichtvorsorge bei Tätigkeiten an Hitzearbeitsplätzen mit klimabezogener Belastung gemäß ArbMedVV Anhang Teil 3 (z.B. WBGT-Index über den Grenzwerten der DIN EN ISO 7243).

Angebotsvorsorge bei Tätigkeiten unterhalb der Pflichtschwellen, jedoch mit erhöhter Belastung (z.B. Außenarbeit im Sommer, leichtere Hitzearbeitsplätze).

WBGT-WertBelastungVorsorge
< 25 °Cgeringkeine
25–28 °CmäßigAngebot
28–30 °ChochAngebot/Pflicht
> 30 °Csehr hochPflicht; Arbeitszeit-/Pausenregime

4. Branchen, Krankheitsbild, BK-Risiken

Stahlarbeiter in deutscher Stahlhütte mit Schutzanzug, Helm und Visier vor einem leuchtenden Hochofen mit Hitze-Strahlung
Stahlhütte am Hochofen — typische Hitzeexposition mit hohem WBGT-Index.

4.1 Branchen

4.2 Krankheitsbild

Akut: Hitze-Synkope (Kollaps), Hitzeerschöpfung (Schwindel, Erbrechen, Tachykardie), Hitzschlag (Körperkerntemperatur ≥ 40 °C, Bewusstseinsstörung — lebensbedrohlich!). Subakut: Hitzeausschlag, Hitzedermatitis, Dehydration, Elektrolytentgleisung. Chronisch: Belastung des Herz-Kreislauf-Systems, ggf. Arrhythmien.

4.3 Risikogruppen

Vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankungen (KHK, Herzinsuffizienz), Diabetes, Adipositas, Schwangerschaft, höheres Alter, Medikamente (Diuretika, β-Blocker, Anticholinergika).

5. Untersuchungsumfang

Beratung zu Hitzeschutz, Trinkverhalten (300–500 ml/h), Pausen, Akklimatisation. Anamnese: kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes, Hauterkrankungen, Medikamente. Untersuchung: Blutdruck, Ruhe-EKG, ggf. Belastungs-EKG bei Verdacht auf KHK. Labor: Elektrolyte, Kreatinin, Glukose, Schilddrüse. Bei Außentätigkeit zusätzlich UV-Hautcheck (Verlinkung BK 5103 / natürliche optische Strahlung).

6. Beurteilung

Vier-Stufen-Beurteilung. Bei kardiovaskulärer Vorerkrankung Stufe 2–4; ggf. Begrenzung der Hitzeexpositionszeit oder Tätigkeitswechsel.

7. Praxistipps für Unternehmen

  1. WBGT-Messung. Klimasummenmaß erfassen oder schätzen — nach DIN EN ISO 7243.
  2. ASR A3.5 Stufenkonzept. Ab 26 °C: Sonnenschutz, Getränke; ab 30 °C: Arbeitszeitverkürzung, kühle Räume; ab 35 °C: Arbeit nur mit besonderen Maßnahmen.
  3. Akklimatisation. Neue Mitarbeiter über 7–10 Tage langsam an Hitze gewöhnen.
  4. Trinkversorgung. Kaltgetränke (Wasser, Schorle) frei zur Verfügung; salzhaltige Brühen bei sehr hoher Belastung.
  5. Pausen-Regime. Bei WBGT > 28 °C: 25 % Pausenanteil pro Stunde; verkürzte Schichten.
  6. Kühle Pausenräume. Klimatisierte Rückzugsmöglichkeit.
  7. Notfallorganisation. Erste-Hilfe-Trainings, Hitzschlag-Erkennung, Kühlmaßnahmen, Notrufkette.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist das Klimasummenmaß WBGT?

Wet Bulb Globe Temperature — ein Klimasummenmaß, das Lufttemperatur, Strahlungstemperatur, Luftfeuchte und Luftbewegung integriert. Standard nach DIN EN ISO 7243.

Wann ist Pflichtvorsorge zwingend?

Bei Tätigkeiten an Hitzearbeitsplätzen mit klimabezogener Belastung gemäß ArbMedVV Anhang Teil 3 — i.d.R. WBGT-Werte deutlich über den Grenzwerten der DIN EN ISO 7243.

Was sagt die ASR A3.5 zur Raumtemperatur?

Stufenkonzept: Ab 26 °C Sollwert-Überschreitung Schutzmaßnahmen erforderlich; ab 30 °C zwingende Schutzmaßnahmen; ab 35 °C nur in besonderen Fällen Arbeit — sonst Arbeitsunterbrechung.

Wie ist Hitzschlag von Hitzeerschöpfung abgrenzbar?

Hitzeerschöpfung: Körperkerntemperatur< 40 °C, Schwitzen erhalten, Bewusstsein klar. Hitzschlag: Körperkerntemperatur ≥ 40 °C, Schwitzen sistiert, Bewusstseinstrübung — lebensbedrohlich, Notruf 112 + sofort kühlen.

Was bedeutet Akklimatisation?

Anpassung des Körpers an Hitze über 7–10 Tage — Schweißproduktion steigt, Salzverlust sinkt, Herz-Kreislauf-System adaptiert. Wichtig für Saison- und neue Beschäftigte.

Welche Berufsgruppen sind besonders gefährdet?

Stahl-/Glas-/Gießerei-Arbeiter, Bäcker, Köche, Wäschereiangestellte, Tunnelbauer, Müllverbrennungs-Mitarbeiter, Bauarbeiter, Landwirte, Postzusteller im Sommer.

Quellen

IAAI — wir setzen die Hitzearbeiten-Vorsorge für Sie um

Wir betreuen Stahl-, Glas-, Gießerei-, Bäckerei- und Außenarbeitsbetriebe bundesweit. Erstberatung, Klimasummen-Messung, kardiovaskuläre Vorsorge mit EKG, Hitzeschutz-Training und ASR-A3.5-Konzepte.

Stand: April 2026. Dieser Text ersetzt keine arbeitsmedizinische oder rechtliche Einzelfallberatung.