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Arbeitssicherheit

Absturzunfälle in Deutschland: Was die neue BAuA-Studie 2026 für Ihren Betrieb bedeutet

Dr. Johannes Angerer·06. Mai 2026

Absturzunfälle gehören seit Jahren zu den häufigsten Ursachen tödlicher Arbeitsunfälle in Deutschland. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat im Februar 2026 eine umfassende Übersichtsauswertung veröffentlicht, die rund 800 tödliche Absturzunfälle der Jahre 2009 bis 2025 analysiert. Die Ergebnisse sind alarmierend – und liefern gleichzeitig klare Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber, Sicherheitsfachkräfte und Betriebsärzte.


Die Zahlen im Überblick: 811 tödliche Absturzunfälle in 16 Jahren

Im Zeitraum 2009 bis 2025 wurden insgesamt 2.635 tödliche Arbeitsunfälle gemeldet. Davon entfallen 811 Fälle auf Absturzunfälle – rund 31 Prozent aller tödlichen Arbeitsunfälle. Damit ist der Absturz die mit Abstand häufigste Einzelursache. Allein 2024 wurden 91 tödliche Absturzunfälle registriert.


Wer ist besonders gefährdet? Das Risikoprofil

Alter und Geschlecht

Die überwiegende Mehrheit der tödlich Verunfallten sind männliche Beschäftigte. Über die Hälfte war zwischen 40 und 59 Jahre alt. Die Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen ist mit 253 Fällen am stärksten betroffen. Diese Zahlen widerlegen den Irrtum, dass vor allem junge, unerfahrene Beschäftigte betroffen seien.

Betriebszugehörigkeit und Qualifikation

64 Prozent der Verunfallten gehörten dem Betrieb drei oder mehr Jahre an. Mehr als die Hälfte waren gelernte Fachkräfte (435 von 811). Tödliche Absturzunfälle betreffen also keineswegs nur unqualifiziertes Personal.

Kleinbetriebe besonders betroffen

Über 70 Prozent der tödlichen Absturzunfälle ereigneten sich in Betrieben mit bis zu 50 Beschäftigten. 39 Prozent entfallen auf Kleinstbetriebe mit 1 bis 9 Beschäftigten. Gerade in kleinen Betrieben fehlt es häufig an systematischem Arbeitsschutz.


Wo passieren die Unfälle? Branchen, Orte und Tätigkeiten

Rund 60 Prozent der tödlichen Abstürze ereigneten sich auf Baustellen. Den größten Anteil machen Abstürze aus einer Höhe ab fünf Metern aus (47 Prozent). Aber auch Abstürze aus geringerer Höhe verlaufen tödlich: 37 Fälle bei Höhen bis zu einem Meter.

An der Spitze der unfallbeteiligten Arbeitsmittel stehen Dächer und Lichtbänder (211 Fälle), gefolgt von Gebäudeteilen (167 Fälle), Gerüsten (109 Fälle) und Leitern (100 Fälle).


Die Hauptursache: Fehlende oder mangelhafte Gefährdungsbeurteilungen

Bei mehr als einem Drittel der Absturzunfälle (263 Fälle) lag keine Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz vor. Die Hälfte der vorhandenen war nicht vollständig oder nicht aktuell.

Was die Gefährdungsbeurteilung enthalten muss


PSA gegen Absturz: Zu selten eingesetzt

Bei 35 Prozent der Unfälle war PSA vorgeschrieben, gestellt wurde sie nur in 30 Prozent. Tatsächlich genutzt wurde sie nur bei 11 Prozent. Das Problem liegt weniger in der Qualität als in der Nichtbenutzung.


Das TOP-Prinzip: Technische und organisatorische Ursachen überwiegen

Die Unfallanalyse zeigt bei den detailliert untersuchten Fällen folgende Hauptursachen:


Praxisempfehlungen: So schützen Sie Ihre Beschäftigten

  1. Gefährdungsbeurteilung konsequent erstellen und aktualisieren – Jeder Arbeitsplatz mit Absturzgefahr muss erfasst sein (§ 5-6 ArbSchG, Stand: Mai 2026).
  2. Technische Schutzmaßnahmen priorisieren – Geländer, Absperrungen, Seitenschutz, Fangnetze, Dachrandsicherungen.
  3. Organisatorische Maßnahmen etablieren – Klare Arbeitsanweisungen, Zugangsregelungen, ausreichend Zeit für sichere Verfahren.
  4. PSA gegen Absturz bereitstellen und Benutzung sicherstellen – Schulung, regelmäßige Prüfung, Rettungskonzept (DGUV Regel 112-198/199).
  5. Regelmäßige Unterweisungen durchführen – Mindestens jährlich, mit konkreten Unfallbeispielen (§ 12 ArbSchG).
  6. Besondere Aufmerksamkeit für Kleinbetriebe – Unterstützung durch BG und externe Fachkräfte nutzen.
  7. Ältere Beschäftigte berücksichtigen – Altersgerechte Schutzmaßnahmen in die Beurteilung einbeziehen.

Fazit: Prävention wirkt – aber nur konsequent umgesetzt

Die BAuA-Studie 2026 bestätigt: Absturzunfälle sind in den allermeisten Fällen vermeidbar. Die Hauptursachen sind organisatorische Defizite – fehlende Gefährdungsbeurteilungen, mangelnde Unterweisungen, unzureichende Arbeitsplanung und Nichtbenutzung vorhandener Schutzausrüstung.

Quelle: Bentz, Bleyer, Pendzich, 2026. Absturzunfälle – Übersichtsauswertungen. BAuA: Bericht kompakt.

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