Absturzunfälle gehören seit Jahren zu den häufigsten Ursachen tödlicher Arbeitsunfälle in Deutschland. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat im Februar 2026 eine umfassende Übersichtsauswertung veröffentlicht, die rund 800 tödliche Absturzunfälle der Jahre 2009 bis 2025 analysiert. Die Ergebnisse sind alarmierend – und liefern gleichzeitig klare Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber, Sicherheitsfachkräfte und Betriebsärzte.
Die Zahlen im Überblick: 811 tödliche Absturzunfälle in 16 Jahren
Im Zeitraum 2009 bis 2025 wurden den Arbeitsschutzbehörden insgesamt 2.635 tödliche Arbeitsunfälle gemeldet (Stand: August 2025). Davon entfallen 811 Fälle auf Absturzunfälle – das entspricht rund 31 Prozent aller tödlichen Arbeitsunfälle. Damit ist der Absturz die mit Abstand häufigste Einzelursache für tödliche Arbeitsunfälle in Deutschland.
Positiv ist, dass der Anteil der Absturzunfälle am gesamten Unfallgeschehen tendenziell leicht abnimmt. Dennoch bleibt die absolute Zahl erschreckend hoch: Noch immer sterben jedes Jahr Dutzende Beschäftigte durch Abstürze am Arbeitsplatz. Allein 2024 wurden 91 tödliche Absturzunfälle registriert, 2023 waren es 99.
Wer ist besonders gefährdet? Das Risikoprofil
Alter und Geschlecht
Die überwiegende Mehrheit der tödlich Verunfallten sind männliche Beschäftigte. Über die Hälfte war zum Unfallzeitpunkt zwischen 40 und 59 Jahre alt. Die Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen ist mit 253 Fällen am stärksten betroffen, gefolgt von den 40- bis 49-Jährigen mit 186 Fällen. Auch die Gruppe der 60- bis 67-Jährigen ist mit 114 Fällen signifikant vertreten.
Diese Zahlen widerlegen den verbreiteten Irrtum, dass vor allem junge, unerfahrene Beschäftigte betroffen seien. Gerade erfahrene Beschäftigtengruppen sind stärker gefährdet – insbesondere wenn sie bei risikoreichen Tätigkeiten ohne umfassende Sicherungsmaßnahmen arbeiten. Die Routine kann trügerisch sein.
Betriebszugehörigkeit und Qualifikation
64 Prozent der Verunfallten gehörten dem Betrieb drei oder mehr Jahre an. Mehr als die Hälfte waren gelernte Fachkräfte (435 von 811). Etwa 36 Prozent waren angelernte oder ungelernte Beschäftigte. Tödliche Absturzunfälle betreffen also keineswegs nur unqualifiziertes Personal.